Berlin: Museumsinsel, Neue Synagoge und Hackesche Höfe
Willkommen im Herzen Berlins, einer Stadt, in der Geschichte und Gegenwart zu einem lebendigen Organismus verschmelzen. Unser Weg beginnt auf der Museumsinsel, einem einzigartigen Ensemble des UNESCO Weltkulturerbes, in dem jede Säule und jede Galerie die Geheimnisse von Jahrtausenden bewahrt. Anschließend begeben wir uns zur neuen Synagoge, einem Symbol geistiger Kraft unter Erinnerung, deren goldenes Kuppelglänzen an Standhaftigkeit und Hoffnung erinnert. Und schließlich beenden wir unsere Reise in den Hakeschen Höfen, einem faszinierenden Labyrinth aus Art Deko, Kunst und urbaner Energie, wo Berlin seine kreative freie Seele offenbart. Wir laden Sie ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen, den Atem der Zeit zu spüren, die Stimmen der Vergangenheit zu hören und das wahre Berlin für sich zu entdecken. Am östlichen Ende des Boulevards unter den Linden kann man die wunderschöne märchenhafte Schlossbrücke über die Spray sehen und über sie zur Museumsinsel gelangen. Man kann auch mit der U-Bahnlinie U5 bis zur Haltestelle Museumsinsel fahren oder die Buslinien 100 oder 300 nehmen. Vor uns erhebt sich die Schlossbrücke. Sie wirkt wie ein steinernes Tor, das den prachtvollen Boulevard unter den Linden mit der Museumsinsel und dem Stadtschloss verbindet. Die dreibög Brücke ist aus Sandstein und Granit in strengen klassischen Formen errichtet. Entworfen in den 1820er Jahren von dem berühmten Architekten Karl Friedrich Schinkel wurde sie nicht nur zu einer Überquerung der Spray, sondern zu einem wahren Eingang ins Herz Berlins. Ihr besonderer Stolz und ihre Schönheit sind die acht Marmorskulpturengruppen. Diese monumentalen Figuren entstanden zwischen 1842 und 1857 durch die Schüler der Bildhauer Johann Gottfried Schador und Christian Daniel Rauch als Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon. Das zentrale Thema der Skulpturen ist der Weg des Helden. Die Siegesgöttin Micke unterweist den Jüngling in den heroischen Legenden. Die geflügelte Göttin des Sieges lehrt den Knaben, während sie ein Schild an ihrer Hüfte hält. Auf dem Schild sind die Namen Alexander, Caesar und Friedrich eingraviert. Ein Verweis auf bedeutende historische Persönlichkeiten, die für ihre heroischen Taten bekannt sind. [Musik] Die Göttin Athene lehrt den Jüngling den Umgang mit den Waffen. Die Göttin Athene rüstet den Krieger aus. Die Siegesgöttin Nike grönt den Sieger. Die Siegesgöttin Nike hebt den Verwundeten Empor. Die Göttin Athene führt den Jünglink in eine neue Schlacht. Die Göttin Athene beschützt den jungen Helden. [Musik] Die Göttin Iris trägt den gefallenen Helden zum Olympen. Diese allegorischen Szenen erwecken den Eindruck eines antiken Mythenzuges direkt über der Spray. Die Göttinnen führen den Menschen von den ersten Schritten zur Weisheit, zu den Heldentaten und schließlich zum Ruhm. Es ist ein steinernes Poem über den Weg des Helden, von der Jugend hin zur Reife und zum Sieg. Die Schlossbrücke wurde zu einem wichtigen Bestandteil der königlichen Achse Berlins von dem Brandenburger Tor über unter den Linden bis zum Schloss und zum Dom. Sie symbolisierte den Weg des Staates zur Größe und war als Vorhalle des Schlosses und der Heiligen Städte der Kunst der Museumsinsel gedacht. Und wenn man hier steht zwischen dem Boulevard und der Insel, hat man das Gefühl, selbst Teil dieser Prozession zu werden. Vor einem die Museen, der Dom, das Schloss, hinter einem der berühmte Boulevard unter den Linden und Friedrich der Große, der einen Hoch zu Ross einzuholen scheint. Die Brücke verbindet alles. Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Leben, Geschichte und Stadt. Nachdem wir die Brücke überquert haben, befinden wir uns an einem historisch überaus bedeutenden Ort Berlins. Denn der Berliner Dom zur linken und das Berliner Stadtschloss, heute das Humbold Forum zur rechten, waren historisch untrennbar miteinander verbunden und bildeten gemeinsam das zentrale Ensemble Berlins. Beide Bauwerke stehen sich buchstäblich gegenüber. Das eine auf der Insel, das andere am Ufer. Zusammen formten sie das architektonische und symbolische Herzpreußens. Auf der einen Seite die geistliche Macht, der Dom, auf der anderen Seite die weltliche Macht, das Schloss. Das Stadtschloss war seit dem 15. Jahrhundert die offizielle Residenz der Hohenzollern, der Dynastie der Kurfürsten. Später Könige und Kaiser. Der Berliner Dom wiederum war als ihre Hauptkirche und Grablege gedacht. Im Jahr17 erhielt das Fürstengeschlecht der Hohenzollern damals noch Borggrafen von Nürnberg, die Mark Brandenburg mit samt Kurwürde. Die hohen Zollern machten die Doppelstadt Berlin-Köl zu ihrer Residenzstadt. 1451 wurde ihr erstes Berliner Schloss als Zentrum der Macht vollendet. Es stand an jener Stelle, an der sich heute das Humboldforum erhebt. Das neue Schloss sollte die Herrschaft der hohen Zollern in Berlin festigen. Im 17. Jahrhundert unter Kurfürst Friedrich Wilhelm, dem großen Kurfürsten, wurde das Schloss erheblich erweitert. Der Hauptarchitekt des Umbaus war Andreas Schlüter. 1698 begann er mit den Arbeiten, die das alte Schloss in einen prächtig barocken Palast verwandelten. Schlüer entwarf die neue Fassade, prunkvolle Innenräume sowie das berühmte Portal mit dem Reiterstandbild des Kurfürsten. Das Schloss wurde zu einem wahren Symbol der preußischen Macht. Das Schloss wurde auf Befehl Friedrich. Unter der Leitung von Andreas Schlüter. zwischen 1698 und 1713 umgebaut und galt als Meisterwerk des europäischen Barock. Es war eines der zentralen und größten Gebäude Berlins. Als Schnittpunkt mehrerer städtebaulicher und visueller Achsen prägte es mit seinen Fassaden, seinen gewaltigen Ausmaßen und seiner 70 m hohen Kuppel, die im 19. Jahrhundert hinzugefügt wurde. Das Stadtbild maßgeblich. Nach der Ausrufung der Weimer Republik im Jahr 1918 diente das Schloss als Sitz verschiedener Regierungs, Kunst und Wissenschaftsinstitutionen, darunter auch die Alexander von Humbold Stiftung. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 brannte es teilweise aus. Trotz internationaler Proteste wurde das Schloss in der DDR in den Jahren 1950 bis 1951 gesprengt. Später 1971 entstand an dieser Stelle der Palast der Republik. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der Erichs Lampenladen, wie er von den Einheimischen genannt wurde, aufgrund der stärkten Asbestbelastung geschlossen. Nach einer gründlichen Beseitigung sämtlicher Asbestreste bis 2003 und einer kurzen Nutzung des Gebäudes als Veranstaltungsort beschloss der deutsche Bundestag den endgültigen Abriss. Gleichzeitig stimmte der Bundestag für die Wiedererrichtung der Schlossfassaden im Barockenstil. Während die Innenräume Museen und kulturellen Projekten vorbehalten sein sollten, zwischen 2013 und 2020 wurde das Schloss rekonstruiert und erhielt den Namen Humbold Forum. Heute beherbergen seine Seele Museen, Ausstellungsflächen und wissenschaftliche Einrichtungen. Das Berliner Stadtschloss mit seinem Humbold Forum ist ein wahrhaft einzigartiges Bauwerk für Berlin. Zwar wurde die originale Schlossfassade an drei Seiten sorgfältig rekonstruiert, doch die zum Spraykanal gerichtete Seite erhielt ein modernes Design. Auch das Innere des Schlosses mit dem Humbold Forum ist in zeitgenössischem Stil gestaltet. So durchlief das Berliner Stadtschloss einen bemerkenswerten Weg von einer mittelalterlichen Festung über ein barockes Symbol preußischer Macht über die Zerstörung in den Nachkriegsjahren bis hin zur Wiedergeburt im 21. Jahrhundert als Kulturzentrum mit bewahrten historischen Fassaden, jedoch modernem Inhalt. Im 19. Jahrhundert träumten König Friedrich Wilhelm der vierte und der Architekt Karl Friedrich Schinkel davon, eine heilige und königliche Achse zu schaffen. Das Schloss als Zentrum der Staatsmacht, den Dom als monumentales Sinnbild des Glaubens. So entstand in den Jahren 1894 bis 1905 nach den Plänen von Julius Raschtorf der heutige Berliner Dom. Ein grandioses Bauwerk des Neorenaissancestils mit einer Kuppel, die in ihrer Dimension fast derjenigen des Petersdoms in Rom spricht. Er sollte in seiner Größe dem benachbarten Schloss ebenwbürtig sein. Über den Berliner Dom laden wir Sie ein, unseren eigenen Film anzuschauen. Der Dom verkörperte das Triumphieren des protestantischen Glaubens und wurde oft als protestantischer Petersdom bezeichnet. Das Schloss hingegen stand für die Dynastie und den Staat. Gemeinsam betonten sie die Einheit von geistlicher und weltlicher Macht. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom schwer beschädigt, seine Kuppel zerstört, doch das Gebäude blieb erhalten und wurde später restauriert. Das Schloss hingegen wurde 1950 abgerissen. Erst im 21. Jahrhundert entstanden seine Fassaden neu für das Humoldforum. Heute, da Schloss und Dom wieder Seite an Seite stehen, erblicken wir aufs Neue jenes historische Ensemble, das bereits im 19. Jahrhundert erdacht war. Das Berliner Herz von Macht, Glauben und Kultur. Der Lustgarten ist ein historischer Park und Platzraum direkt vor dem Berliner Dom auf der Museumsel im Herzen der Stadt. Heute ist er eine grüne öffentliche Anlage, ein beliebter Ort der Erholung und ein Magnet für Touristen. Doch seine Geschichte ist reich und bewegt. Einst befanden sich hier die Gemüsegärten der hohenzöllern, in denen für den Hof Karotten und Kohl angebaut wurden. Doch im 17. Jahrhundert beschloss der Kurfürst, die Hauptstadt soll Schönheit atmen. So entstand der erste Ziergarten. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte der Lustgarten sein Gesicht wie ein Schauspieler seine Kostüme. Einmal war er exerzierplatz des Militärs, dann Paradeplatz für Massendemonstrationen, später die strenge Granitarena des Dritten Reiches. In der DDR wurde er schließlich in Marx Engelsplatz umbenannt mit einem Denkmal für die Revolutionäre in seiner Mitte. Und heute ist er wieder ein Garten. Rasenflächen, auf denen es an einem heißen Tag angenehm ist, barfuß zu gehen. Breite Wege, auf denen Touristen und Studenten spazieren. Im Zentrum ein Brunnen, um den es stets lebhaft zugeht. Kinder spritzen mit Wasser, müde Reisende sitzen am Beckenrand und Fotografen suchen nach der besten Perspektive. Die riesige Granitschale vor dem alten Museum wiegt mehr als 70 Tonnen und galt einst das achte Weltwunder. Sie war gedacht als Symbol der Einheit von Wissenschaft, Kunst und nationalem Stolz. Gewissermaßen als Visitenkarte Preußens im 19. Jahrhundert. Hier im Herzen Berlins auf den stillen Wassern der Spray liegt die Museumsinsel, ein UNESCO Welterbe. Ein Ort, an dem die Zeit zum Raum wird und Städte wie Zivilisationen auf Armlänge zusammentreffen. Die Museumsinsel umfasst fünf Museen, die zwischen 1825 und 1930 errichtet wurden. Das alte Museum, das neue Museum, die alte Nationalgalerie, das Bodemuseum und das Pergamonmuseum. Im Jahr 2025 feiert die Museumsinsel ihr 200-jähriges Bestehen. Alles begann mit der Öffnung der königlichen Sammlung für die Öffentlichkeit und dem Bau des alten Museums. Die legendäre antike Bronzestatue des betenden Knaben, die von Napoleon geraubt und 1815 zurückgegeben wurde, wurde zum zentralen Exponat dieses ersten Museums. folgten das neue Museum mit den Funden aus ägyptischen Ausgrabungen und die Nationalgalerie, die dem Deutschen Kunstschaffen gewidmet sein sollte. Mit dem sensationellen Pergamonaltar am Ende des 19. Jahrhunderts holte Berlin kulturell zu seinen großen imperialen Konkurrenten England und Frankreich auf Beschluss von König Friedrich Wilhelm II wurde der nördliche Teil der Insel in ein heiliges Land der Kunst und Wissenschaft verwandelt, offen für alle. Der Museumsbau im 19. Jahrhunderts war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins des Bürgertums sowie des Machtanspruchspreußens und später des deutschen Kaiserreichs. [Musik] Das alte Museum ist eines der schönsten Gebäude Berlins und ein Meisterwerk des Architekten Karl Friedrich Schinkel. Es steht auf der Museumsinsel direkt gegenüber dem Lustgarten und wurde 1830 eröffnet. Es war das erste öffentliche Museum Preußens geschaffen mit dem Ziel, Kunst nicht nur dem königlichen Hof, sondern auch den Bürgern zugänglich zu machen. Das Gebäude gilt als Manifest des preußischen Klassizismus. Die Architektur spricht die Sprache der Antike, die Idee des Museums, die Sprache der Aufklärung. Die Fassade ist dem Lustgarten zugewandt. Eine majestätische Kolonade aus 18 ionischen Säulen erinnert an antike Tempel. Eine breite Freitreppe führt zum Haupteingang. Gleichsam eine Einladung an das Volk zum Tempel der Kunst emport zu steigen. Im Inneren bildet die Rotunde mit ihrer Kuppel, inspiriert vom Pantheon in Rom, den architektonischen Höhepunkt. Hier wurden antike Statuen ausgestellt, wodurch eine direkte Parallele zwischen antiker Größe und der neuen Rolle Berlins als Kulturhauptstadt geschaffen wurde. Das Museum sollte nicht nur Altertümer bewahren, sondern auch das Gefühl für Harmonie erziehen und zeigen, dass der moderne Staat die Traditionen der Antike fortsetzt. So behauptete Preußen: “Wir sind die Erben Europas und auch wir schaffen eine Kultur von weltweiter Bedeutung.” Heute ist das alte Museum Teil des Ensembels der Museumsinsel. Es beherbergt eine der reichsten Sammlungen antiker Kunst. Griechische Vasen, etroskischen Schmuck, römische Skulpturen. Wenn man vor seiner Kolonade steht, lässt sich Schinkels Idee leichts nachempfinden. Kunst erhebt hier nicht nur die Elite, sondern jeden, der die Treppen hinaufsteigt. Es ist kein Palast für wenige, sondern ein Tempel der Kultur, für alle. Seine strengen Säulen sind wie eine Einladung, in die Welt der Antike einzutreten. Eine Welt, in der alles mit Harmonie und Maß beginnt. Bevor wir vom alten Museum zum neuen Museum weitergehen, biegen wir zur historischen Friedrichsbrücke ab. Ihren Namen erhielt die Brücke im 18. Jahrhundert in Verbindung mit dem preußischen König Friedrich dem Großen. Die Friedrichsbrücke ist eine elegante und romantische Steinbogenbrücke mit Balustraden und dekorativen Elementen. Von hier eröffnet sich ein herrlicher malerischer Blick auf den Berliner Dom, die Spray und die Museumsinsel. Sie ist eines der beliebtesten Ziele für Spaziergänge und Fotografien im Zentrum Berlins. Nachdem wir das andere Ufer erreicht haben, genießen wir von hier aus noch einmal den majestätischen Blick auf den Berliner Dom. An der Uferpromenade laden zahlreiche Caféses und kleine Restaurants zum Verweilen und Einkehren ein. Einige von ihnen blicken auf eine reiche und glanzvolle Geschichte zurück. So bietet die Alpenküche von Alois Mosa ein einzigartiges Bier aus Bayern an. Diese Brauerei ist fast 1000 Jahre alt. Als die älteste noch bestehende Brauerei der Welt bietet sie eine breite Auswahl einzigartiger Biere von höchster Qualität. Hier können Sie die eindrucksvolle Bronzeskulpturengruppe drei Mädchen und ein Knabe von Wilfried Fitzenreiter bewundern, die malerisch an der Spraypromenade gegenüber dem Berliner Dom platziert ist. Die Skulpturengruppe wurde 1988 von diesem deutschen Bildhauer geschaffen. Die Bronzefiguren sind Teil der Berliner Public Art. Sie symbolisieren keinen konkreten Akt, sondern einen stillen, vielleicht introspektiven Moment des Nachdenkens oder Beobachtens. Die Spraypromenade mit dem Blick auf den Dom bildet eine wunderbare Kulisse für dieses Ensemble. Mit ihren natürlichen Posen und dem fließenden Bronzrakter vermitteln die jungen Figuren ein Gefühl von Ruhe, Meditativität und Kontemplation. Heute sind sie nicht nur ein künstlerisches Kleinot, sondern auch eine Einladung im Herzen des lebhaften Berlins einen stillen Moment des Nachdenkens zu finden. Im Gebäude des DDR Museums auf der Straße gerichteten Seite befinden sich zwei bekannte Läden. Die Lindkonfiserie bietet ein breites und vielfältiges Sortiment an Schokolade. Die Ampelmann Souveniräden wiederum sind eine ganz besondere Sehenswürdigkeit Berlins. Insgesamt gibt es sechs davon in der Stadt. 1961, als Berlin geteilt war, schlug ein Verkehrspsychologe der DDR namens Karl Peglau ein neues, verständlicheres und sichereres Ampelsystem vor. Er war der Meinung, dass die traditionellen Kreise nichts immer ausreichend Aufmerksamkeit erregen, besonders nachts oder bei schlechtem Wetter. So entstand der Ampelmann, das kleine Männchen mit Hut. Der rote Ampelmann steht mit ausgestreckten Armen, ein Symbol des Haltens, wie eine Schranke. Der grüne Ampelmann schreitet voran und verkörpert Bewegung und Freiheit. Die Menschen schlossen diese sympathischen und leicht verständlichen Figuren sofort ins Herz. Sie wurden zum Symbol des Ostberlins und zu einem festen Bestandteil seiner einzigartigen Kultur. Doch nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 schien es, als würde der Ampelmann für immer verschwinden. Die Bundesregierung beschloss, die Ampeln im ganzen Land zu vereinheitlichen und das bedeutete, dass die liebenswerten Männchen den langweiligen westdeutschen Kreisen weichen sollten. Da geschah jedoch das Unerwartete. Die Bewohner Ostberlins gingen auf die Straßen und protestierten. Sie forderten, ihren geliebten Ampelmann zu bewahren. Es ging dabei nicht nur um eine Ampel, sondern um die Bewahrung ihrer Identität und Geschichte. Ihr Einsatz war erfolgreich. Der Designer Markus Heckhausen ließ den Ampelmann wieder aufleben, indem er die Produktion von Souvenirs mit seinem Bildaufnahmen von T-Shirts und Tassen bis hin zu Lampen und Magneten. Heute ist der Ampelmann eines der bekanntesten Symbole Berlins und ganz Deutschlands. Man begegnet ihm nicht nur an den Ampeln, sondern auch auf den Straßen als Figuren und in Souvenirläden auf der ganzen Welt. Vom Ampelmannshop spazieren wir noch einmal am prächtigen Berliner Dom vorbei und kehren zurück zur Kolonade, die sich hinter dem alten Museum befindet. Die Kolonade ist eine lang gestreckte Galerie mit einer Reihe schlanker Säulen im klassischen Stil. Der ursprüngliche Entwurf stammt von Friedrich August Stühler, einem Schüler Karl Friedrich Schinkels. Sie war nicht nur als dekoratives Element gedacht, sondern auch als verbindendes Glied zwischen den Museen. Errichtet wurde sie in den 1860er Jahren, als sich hier der berühmte Museumskomplex formte. Der Kolonadenhof bildet einen zentralen offenen Platz vor dem Eingang zur alten Nationalgalerie umgeben auf drei Seiten von Säulen. Die Kolonaden als verbindendes architektonisches Motiv von Nationalgalerie, neuem Museum und alten Museum gehen auf die Idee Friedrich Wilhelms des vierten zurück, die Spreinsel in ein Heiligtum der Kunst und Wissenschaft zu verwandeln. Heute ist der Kolonadenhof nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern auch ein Ort der Erholung. Touristen wie Einheimische schlendern gerne hier entlang und im Sommer finden kulturelle Veranstaltungen statt. Der Hof der Kolonaden schafft eine besondere Atmosphäre auf der Museumsel. Er verbindet die strenge Monumentalität der Museen mit einem intimeren menschlichen Raum der Kontemplation. Der Kolonadenhof ist nicht nur für seine Architektur und seinen Garten bekannt, sondern auch für seine Sammlung von Skulpturen im Freien. Nach der Restaurierung des Hofes, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wurde er als Skulpturengarten neu gestaltet. Hier sind Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ausgestellt, vor allem Skulpturen aus der Sammlung der alten Nationalgalerie. Die Themen sind überwiegend der Antike, der Mythologie und allegorischen Darstellungen entnommen, was in harmonischem Einklang mit der klassischen Architektur der Kolonaden steht. Die Skulpturen sind frei auf dem Rasen und entlangen der Kolonade aufgestellt und schaffen so einen Dialog zwischen Architektur, Natur und Kunst. Dadurch wirkt der Hof wie ein Museum unter freiem Himmel, indem man die Exponate umrunden im wechselnden Licht betrachten und fast lebendig im Raum erleben kann. Die Bogenschützin, eine Bronzeskulptur von Ferdinand Leppke aus den Jahren 1905 bis 1906 zeigt eine nackte Frau, die den Bogen spannt. Sie steht in gespannter Haltung, den Blick auf ihr Ziel gerichtet. Die kraftvolle elastische Spannung kurz vor dem Abschuss des Pfeils ist in jeder Partie des Körpers sichtbar. Ein Akt gespannter Energie und Schönheit. Der Kentauer und die Nympfhe. Eine Bronzeskulptur des berühmten Reinhold Begas aus dem Jahr 1888 stellt eine mythologische Szene da, eine Allegorie von Kraft und Schönheit. Der Honnenreiter eine Bronlastik des Bildhauers Erich Hösel, datiert 1895 bis 1897, zeigt einen hunchen Krieger zu Pferd. Der Reiter befindet sich in Kampfpose, während das Pferd vor einem Schädel am Boden zurückscheut. Ein Symbol für Überwindung und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Auguste Renois, der vor allem als Maler berühmt wurde, ließ sich ebenfalls von der Bildhauerei inspirieren und gilt daher als einer der Malerbildhauer. Seine Skulptur Die Wäscherin entstand 1919. Die nackte Frauenfigur hält mit beiden Händen ein Tuch, das vor ihrem Körper herabfällt und eine realistisch fließende Bewegung erzeugt. Die ausdrucksstarke Bronzeskulptur, der Fischer, gerettet genannt, wurde 1887 von Adolf Brött geschaffen. Die Gruppe, die einem kräftigen bärtigen Fischer in wetterfester Kleidung zeigt, der ein vor dem ertrinken gerettetes Mädchen in den Armen trägt, wurde sofort mit einem Preis ausgezeichnet und machte den 22-jährigen Künstler schnell bekannt. Der erzählerische Charakter der Szene, die Brutz selbst miterlebt haben soll, verlie dem Werk besondere Popularität. Es zeigt den gewöhnlichen Helden und berührte das Publikum nachhaltig. Das neue Museum wurde 1855 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm. errichtet. Architekt war Friedrich August Stühler, ein Schüler Schinkels. Das Gebäude, gestaltet im Stil des Klassizismus und der Neorenaissance, gilt als sein Hauptwerk. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum schwer beschädigt und befand sich lange Zeit, besonders in der DDR, in einem halberstörten Zustand. Die Restaurierungsarbeiten begannen 1999 und wurden 2009 abgeschlossen. Im neuen Museum kann man die Kunst des alten Ägypten entdecken. Darunter die weltberühmte Büste der noittete, ein Symbol von Anmut und Stärke. Außerdem beherbergt es Ausstellungen zur Uhr und Frühgeschichte, die den Zeitraum von der Steinzeit bis ins Mittelalter umfassen. Vor dem Museum sehen wir die berühmte Skulptur Amazonin zu Pferde des Spilduers Louis Tyon. Sie wurde in Rom geschaffen und von der Nationalgalerie in Berlin erworben. Nach der Wiedereröffnung des neuen Museums wurde sie im Kolonadenhof aufgestellt. Es handelt sich um eine der drei originalen Skulpturen, die sich bis heute im Kolonadenhof befinden. Wir nähern uns der alten Nationalgalerie. Ihre majestätische Freitreppe erhebt sich wie ein Aufgang zu einem Tempel der Kunst. Und direkt vor uns steht der mächtige Reiter Friedrich Wilhelm der vierte von Preußen, der Mann, dem Berlin seine Museumsel verdankt. Er sitzt hoch zu Ross, doch nicht als Eroberer mit gezogenem Schwert, sondern als Beschützer der Künste, als träumerischer Herrscher. Sein Blick ist ruhig und in die Ferne gerichtet, mehr Philosoph als Krieger. Das Pferd unter ihm wirkt edel und gefasst. Sein Schritt ist kein stürmischer Galopp, sondern eine sichere, gemessene Bewegung nach vorn. Am Sockel des Denkmals befinden sich allegorische Figuren Religion, Kunst, Geschichte und Philosophie. Jede scheint ihnen ihre Gedanken zuzuflüstern. Von der Ewigkeit, von der Schönheit, vom Gedächtnis der Generation, von der Tiefe des menschlichen Denkens. Zusammen bilden sie einen wahren Chor aus Stein und Bronze, der die Idee verkündet, Kultur ist das Fundament des Staates. Die Skulptur wurde von Alexander Calandrelli Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen. Sie ist nicht nur ein Denkmal für den König, sondern ein Manifest ihrer Epoche. Berlin präsentierte sich damit als Hauptstadt nicht nur militärischer, sondern auch geistiger Macht. Die dunkle schwere Bronze scheint den Atem der Zeit zu bewahren und das Monument selbst wirkt wie eine Einladung, die Treppen zu erklimmen. Nicht nur hinauf zur Galerie, sondern auch hinauf zu den Idealen, für die die Museumsel geschaffen wurde. Schönheit, Wissen, Ewigkeit. Die Galerie wurde 1861 gegründet, als der Banier Joachim Heinrich Wagen Preußen 262 Gemälde schenkte, die den Grundstock der späteren Sammlung der Nationalgalerie bildeten. Das heutige Gebäude, gestaltet im Stil eines römischen Tempels mit Absis, wurde von Friedrich August Stühler entworfen und unter der Leitung von Heinrich Strack errichtet. Es erinnert an einen griechischen Tempel und symbolisiert damit seine Bestimmung als Tempel der nationalen Kunst. Über dem Eingang des Museums ist die Inschrift der deutschen Kunst zu lesen. Die feierliche Eröffnung fand 1876 im Beisein von Kaiser Friedrich Wilhelm der I statt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt. Eine teilweise Wiedereröffnung erfolgte 1949. Doch die Restaurierung dauerte bis 1969 an. Im Rahmen der Modernisierung der Museumsinsel wurde die Galerie zwischen 1998 und 2001 umfassend restauriert. Einschließlich eine Erweiterung im Obergeschoss sowie einer Erneuerung der Fassaden. [Musik] In der alten Nationalgalerie, die eine der bedeutendsten Sammlungen der Kunst des 19. Jahrhunderts in Deutschland beherbergt sind Meisterwerke von Künstlern wie Kasper David Friedrich, Adolf Mensel, Sabine Lepsius, Eduard Mané, Claude Monet, Auguste Renoir und Auguste Rod zu sehen. Zu den herausragendsten Arbeiten zählen der Mönch am Meer von Kaspar David Friedrich, der Denker von Auguste Rodin, sowie im Wintergarten von Edamane. In den Seelen der Galerie atmet das 19. Jahrhundert. Die Romantiker und Realisten, die ersten Schritte des Impressionismus. Es ist eine Erzählung in der Sprache der Kunst über den Menschen, seine Gefühle, Hoffnungen und Zweifel. Die James Simon Galerie ist der neue zentrale Eingang und Besucherbereich der Museumsinsel. Sie befindet sich zwischen dem rekonstruierten neuen Museum und der Spray. Benannt ist sie nach Henry James Timon, einem wohlhabenden Melzsen, der den Berliner staatlichen Museen bedeutende Sammlungen schenkte, darunter die weltberühmte Büste der Novrettete. Mit ihrem Namen soll die Galerie die Präsenz dieses herausragenden jüdischen Wohltäters im kulturellen Gedächtnis der Stadt wiederherstellen, dessen Verdienste in den Jahren des Nationalsozialismus vergessen oder verschwiegen wurden. Die Galerie dient als logisches Portal. Ähnlich wie die Glaspyramide des Luvre für die Besucher der Insel. Sie hilft sich zu orientieren und die Besucherströme zu den verschiedenen Museen zu leiten. Sie verbindet soziale Funktion, architektonische Ausdruckskraft und museale Anforderungen und verwandelt die Museen in einen dynamischen öffentlichen Raum. Der Entwurf stammt von dem britischen Architekten David Chipperfield und wurde zu einem Schlüsselement des Masterplans für die Museumsinsel von 1999, der die Modernisierung und Integration des gesamten Museumskomplexes zum Ziel hatte. Das Gebäude ruht auf einem hohen Sockel aus Stein, ist mit hellem Naturstein verkleidet und mit einer schlanken Kolonade geschmückt. Eine breite zentrale Treppe führt hinauf zur oberen Terrasse und zur Hauptebene, wo sich das großzügige Filler, ein Kaffee, ein Buchladen und Aussichtsbereiche befinden. Pergamonmuseum, ein majestätisches und zugleich düsteres Gebäude wurde zwischen 1910 und 1930 nach den Entwürfen von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann im Stil eines vereinfachten Klassizismus errichtet auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. Im Pergamonmuseum befinden sich drei zentrale Sammlungen. Die antiken Sammlung, das Museum für vorderasiatische Kunst und das Museum für islamische Kunst. Die antiken Sammlung umfasst ganze architektonische Rekonstruktionen. Ihr Herzstück ist der weltberühmte Pergamon Altar, entstanden im zweiten Jahrhundert vor Christus mit dem Fries des Kampfes der Olympischen Götter gegen die Giganten, die Kinder des Zeitgottes Chronos und der Erdgöttin Gaja. Das Museum für v forderasiatische Kunst umfasst eine bedeutende Sammlung von Artefakten aus Mesopotamien, Syrien und der heutigen Türkei. Hier befinden sich die weltberühmten Istadore, eines der bekanntesten Bauwerke des babylonischen Reiches. Im Museum für islamische Kunst ist unter anderem die Fassade des berühmten Wüstenschlosses im Shhatter zu sehen, deren Fries mit kunstvollen Arabesken und pflanzlichem Dekor geschmückt ist. In das Rankenwerk der Weinrebe sind Darstellungen von Menschen und Tieren eingeflochten. Eine Besonderheit im islamischen Kunstkontext, wo menschliche Figuren sonst kaum dargestellt werden. Hier erstehen die Städte der Antike in originaler Größe und in den Seelen hallen die Schritte wieder wie ein Echo aus Jahrtausenden. sind nicht bloß Vitrinen, es ist Architektur, die durch die Zeit getragen wurde. Seit 2023 ist das Pergamonmuseum im Rahmen des Masterplans Museumsel für eine umfassende Sanierung vollständig geschlossen. Eine teilweise Wiedereröffnung des Nordflügels, einschließlich des Saales mit dem Pergamonaltar, ist für 2027 geplant. Die vollständige Fertigstellung der Restaurierung ist für 2037 vorgesehen. Das Pergamonmuseum ist eine der bedeutendsten Galerien architektonischer Rekonstruktionen der Antike. Es vereint griechischrömische, altorientalische und islamische Traditionen in einem einzigen Raum. Es gilt als architektonisches Symbol der Museumsarbeit des 20. Jahrhunderts. Ein Haus, das sowohl die Entwicklung des Ausstellungsgedankens als auch die kulturellen Ambitionen Deutschlands auf der internationalen Bühne verkörpert. Das Ausstellungsprojekt Pergamonmuseum, das Panorama, das 2018 eröffnet wurde, präsentiert rund 80 Hauptwerke aus der antiken Sammlung, die derzeit wegen der Sanierung geschlossen ist. Zudem kann man hier das aktualisierte 360° Panorama des Künstlers Jadigar Assisi bewundern, dass das Jahr 129 nach Christus in der antiken Stadt Pergamon zeigt. Dieses temporäre Ausstellungsgebäude befindet sich gegenüber dem Bodemuseum. An der Nordspitze der Museumsinsel, dort wo das Wasser den Stein fast zu umarmen scheint, erhebt sich das Bodemuseum, ein Haus der Skulptur, der byzantinischen Kunst und unzähliger Münzen, in denen das Metall die Geschichten von Imperien und Handelswegen erzählt. Das Museum befindet sich in einem historischen Bauwerk des Neobarok. Errichtet 1898 bis 1904 nach den Plänen des Architekten Ernst von ih im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. II. Ursprünglich trug es den Namen Kaiser Friedrich Museum. wurde jedoch 1957 zu Ehren seines ersten Direktors des Kunsthistorikers Wilhelm von Bode umbenannt. Das Museumsgebäude ist ein beeindruckendes Neobares Ensemble mit Kuppel und repräsentativer Fassade. Ein Sinnbild des musealen Glanzes Berlins. Das majestätische dekorative Innere hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck. Die Ausstellungen sind geographisch und chronologisch gegliedert. Byzantinische und gotische Kunst im Erdgeschoss, italienische Renaissance und Barock im Obergeschoss. Das Museum präsentiert eine der größten Skulpturensammlungen Spaniens, Italiens, Frankreichs, Deutschlands und der Niederlande vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der italienischen Frühraenissance mit Werken von Luca de La Robia, Donatello, Francesco Laurana und anderen. Im Münzkabinett befindet sich eine der größten Sammlungen von Münzen und Medaillen weltweit. Rund 500.000 Exponate von der Mitte des 7. Jahrhunderts fast Christus bis in die Gegenwart. Im März 2017 wurde aus dem Museum die kanadische Big Maple Leaf gestohlen. Eine Münze mit dem Portrait von Königin Elisabeth II. II. Sie war aus reinem Gold gefertigt, wog 100 kg, hatte einen Durchmesser von 50 cm und eine Dicke von 2,8 cm. Ihr Wert betrug etwa 3,7 Millionen Euro. Die Täter drangen durch ein Fenster nahe der Eisenbahn ein. Die Münze wurde vermutlich eingeschmolzen und blieb bis heute unauffindbar. Der Diebstahl der Goldmünze gilt als eine der meist diskutierten Kriminalgeschichten in der Welt der Museen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der Sammlungen in den Berliner Flagtturm ausgelagert. Nach Kriegsende brach dort ein Brand aus, der zahlreiche Kunstwerke vernichtete. Manche Exponate wurden in die Sowjetunion verbracht und erst 1958 teilweise zurückgegeben. Das 20. Jahrhundert hat auf der Insel die Narben von Krieg und Teilung hinterlassen. Doch Berlin versteht es, dem Stein wieder Sinn zu geben. Geduldig fügt es das Verlorene zusammen und verbindet die Museen zu einem einzigen Rundgang, einem Spaziergang durch die Epochen vom Nil bis nach Hellas, von Babylon bis nach Berlin. Die Museumsinsel ist nicht einfach eine Ansammlung von Sammlungen. Sie ist ein Gespräch der Zivilisation über Schönheit, Glauben, Macht, Handel. Liebe und Erinnerung. Hier begreift man, wir waren immer verbunden durch Wege, durch Meere, durch Ideen. Auf der Brücke vor dem Museum sehen wir die Skulptur Kopf des Hektor von Markus Lyperz. Lypz ist einer der bekanntesten zeitgenössischen deutschen Künstler und Bildhauer, Vertreter des sogenannten Neoexpressionismus, in Deutschland auch als neue Wilde bezeichnet. Der Bildhauer ließ sich von der antiken Mythologie inspirieren. Hektor, der Held der Ilias von Homer, trojanischer Feldherr und Verteidiger Trojas, fiel im Zweikampf mit Achill. Die Skulptur verweist jedoch nicht auf das idealisierte Bild des antiken Helden, sondern auf sein Symbol, den menschlichen Kopf, als Zeichen der Erinnerung, des Schicksals und zugleich der Verletzlichkeit. Der Kopf des Hektor strebt nicht nach anatomischer Genauigkeit. Er ist viel mehr wie eine monumentale Maske gestaltet, vereinfacht mit groben, angespannten Zügen. Die Platzierung unmittelbar neben dem Museum, das eine reiche Sammlung antiker und byzantinischer Skulpturen beherbergt, schafft einen Dialog zwischen Klassik und Gegenwart. Im Inneren befinden sich die authentischen Artefakte der Antike. Draußen hingegen eine zeitgenössische künstlerische Interpretation des antiken Mythos. Lypatz erschafft damit eine moderne Mythologie, in der antike Bilder in Fragmenten fortleben und zugleich an die ewigen Themen von Schicksal, Krieg und menschlicher Verletzlichkeit erinnern. Die Monbij Brücke, deren Name sich aus dem Französischen mit meinem Schmuckstück übersetzen lässt, verbindet den nördlichen Teil der Museumsinsel, dort wo das Bodemuseum steht, mit dem gegenüberliegenden Berliner Bezirk, Mitte am anderen Ufer der Spray. Der Name geht auf den nahe gelegenen Monbijou Park zurück. Die Brücke ist relativ klein und elegant, ausschließlich für Fußgänger bestimmt. Sie ist in klassischer Steinarchitektur gestaltet und fügt sich harmonisch in die monumentale Fassade des Bodemuseums ein. Durch ihre Lage eröffnet sich ein prachtvoller Panoramablick auf die Kuppel des Berliner Stadtschlosses und das Ensemble der Museumsinsel. Nachdem wir die Brücke überquert haben, gelangen wir in die Monbijou Straße und gehen in Richtung neue Synagoge. Auf dem Weg begegnen wir einigen interessanten historischen Gebäuden. Das Gebäude des Reichspostzentralamtes für Telegrafie wurde zwischen 1910 und 1916 nach den Entwürfen der Architekten Wilhelm Walter und Max Lehmann errichtet. Es war einer der anspruchsvollsten und bedeutendsten Post und Telegrafie Bauten Deutschlands jener Zeit ausgeführt im Stil des Neobarock. Die massive Fassade beeindruckt mit markanten Elementen wie Pilastern, Säulen und bronenen Türen, über denen die Inschrift Haupttelegraphenamt zu lesen ist. Heute befinden sich in dem Bauwerk ein Hotel sowie ein kleiner Ausstellungsraum. Das prächtige Gebäude der neuen Synagoge Berlin wurde zwischen 1859 und 1866 errichtet als zentrales Gotteshaus der jüdischen Gemeinde der Stadt. Es trat an die Stelle der alten Synagoge, die die wachsende Zahl der Gläubigen nicht mehr fassen konnte. Die Architekten des Projekts waren die renommierten Eduard Knoblauch und Friedrich August Stühler. Die Synagoge wurde im exotischen Stil des maurischen Revivals gestaltet, inspiriert von der Alham Granada. Diese Wahl der architektonischen Sprache war ein Symbol der Zugehörigkeit und der kulturellen Eigenständigkeit der jüdischen Gemeinde. Das Gebäude bot Platz für bis zu 3000 Sitzplätze und war damit die größte jüdische Gebetsstätte Deutschlands. Die dreigeschossige Fassadenkomposition, reich geschmückt mit farbigen Ziegeln, Terracottaelementen und Friesdekor wird von einer zentralen Kuppel mit einem Durchmesser von über 50 m begrönt. Eine eindrucksvolle Dominante des gesamten Stadtviertels. Während der antisemitischen Pogrome im Jahr 1938 in der Kristallnacht wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Doch sie entging der vollständigen Zerstörung dank des Eingreifens eines Polizeibeamten, der sich auf ihren Status als Baudenkenmal berief und die Feuerwehr alarmierte. Dieses Ereignis gilt als einer der seltenen Akte bürgerlichen Mutes in den finsteren Tagen des Antisemitismus. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude durch Bombardierungen schwer beschädigt. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der Fassade, der Kuppel und der angrenzenden Räume begann 1988 und wurden 1995 abgeschlossen. Imselben Jahr wurde hier das Zentrum Judaikum eröffnet, ein Ort jüdischer Kultur und des Gedenkens. Heute beherbergt der rekonstruierte Teil ein Museum und Ausstellungsräume. Zugleich dient die Synagoge wieder als Gotteshaus. Hier ist die größte Maschorti Gemeinde Berlins ansässig. Die neue Synagoge ist ein architektonisches Symbol für Integration und Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinde des 19. Jahrhunderts. Sie ist zugleich Erinnerung und Mahnung der Geschichte. In ihrer erhaltenen Fassade und im Museum spiegeln sich Größe, Tragödie und Wiedergeburt wieder und sie ist ein lebendiger spiritueller Raum. Das Gebäude erfüllt erneut seine Funktion als religiöses Zentrum und verbindet Vergangenheit und Gegenwart. In Berlin, wie auch in ganz Norddeutschland gibt es viele historische Gebäude aus rotem Backstein. Die Gründe dafür sind vor allem folgende: In der Region gibt es wenig hochwertigen Naturstein, anders als etw in Süddeutschland oder in den Alpen. Dafür aber reichlichon. Schon seit dem Mittelalter wurde Ziegel zum wichtigsten Baumaterial. Im Norden Deutschlands blühte im 13. bis 16. im Jahrhundert ein besonderer Architekturstil auf, die Backsteingothik. Aus gebranntem rotem Ziegel errichtete man Kirchen, Rathäuser, Festungen und Klöster. Dieser Stil verbreitete sich im gesamten Ostseeraum und im Gebiet der Hanse. Als Berlin zur Hauptstadt Preußens und später des Deutschen Kaiserreichs wurde, entstanden zahlreiche Schulgebäude, Bahnhöfe, Fabriken und Postämter. Ziegel war damals das günstigste und zugleich haltbarste Material für den Massenausbau. Viele Bauwerke im neugotischen oder neoromanischen Backsteinstil stammen aus dieser Zeit. Der rote Backstein unterstrich den norddeutschen Charakter der Architektur. Streng, praktisch, zugleich, aber auch ausdrucksstark. Er ist nicht nur widerstandsfähig, sondern auch dekorativ. Durch variierte Mauerwerksmuster konnten Gebäude verschönert werden, ohne dass dies große Kosten verursachte. Das prächtige Gebäude des ehemaligen königlichen Postamtes an der Ecke Uranienburger Straße und Tucholzkiraße ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Bau mit verschiedenen Arten von Backstein. Errichtet wurde es im historischen Stil des norditalienischen Neorenaissance mit einer Fassade aus gelben Backsteinen und dekorativen Elementen aus blauem und rotem Ziegel. Über dem Haupteingang erhebt sich ein achteckiger Turmpavillon mit Kuppel flankiert von zwei kleineren Kuppeltürmen, die architektonisch auf die nahe gelegene neue Synagoge verweisen. Zwischen den Arkaden des Erdgeschosses sind 25 Terracotta Medaillons angebracht. Portraits bedeutender Persönlichkeiten, die mit der Entwicklung der Post und der Kommunikation verbunden sind. von Darius I. I. und Herodot bis hin zu Kopernikus, Band Franklin, George Stevenson und Gustav Kirchhoff. Heute gehört das Gebäude der Firma Biotronik, einem deutschen Hersteller von Medizintechnik. Nach einer umfassenden Restaurierung nutzt das Unternehmen es als Konferenz und Bildungszentrum. [Musik] Im Stadtteil Oranienborger Straße verbergen sich hinter den Straßenfassaden die berühmten Berliner Höfe. Links von der neuen Synagoge sehen wir den Eingang zu den Heckmannhöfen. Die Berliner Höfe sind einzigartiges Phänomen der Architektur und Kultur der Stadt, das ihre Geschichte und sozialen Veränderungen widerspiegelt. Es handelt sich nicht einfach um Innenhöfe, sondern um ein ganzes System von Räumen, die sich hinter den Fassaden der Gebäude verbergen und viele Geschichten in sich tragen. Ihre Entstehung ist eng mit dem starken Bevölkerungswachstum des 19. Jahrhunderts verbunden, als Berlin zu einem bedeutenden Industriezentrum wurde. Um den enormen Zustrom von Arbeitern unterzubringen, entstanden Mietshäuser mit mehreren hintereinander angeeten Innenhöfen. Diese Höfe wurden so konzipiert, dass eine möglichst dichte Bebauung erreicht wurde. Je weiter entfernt von der Straße, desto kleiner und günstiger und oft beengter war der Wohnraum. In den hinteren Höfen lebten meist Arbeiterfamilien in sehr kleinen Wohnungen. Die Höfe erfüllten unterschiedliche Funktionen. Die ersten heller und oft begrünt, die zweiten und dritten eher wirtschaftlich genutzt mit Lagerräumen, Werkstätten oder Stallungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich viele dieser Höfe in einem desolaten Zustand. Doch in den 1990er Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands begann eine neue Phase. Künstler, Kreative und Gastronomen zogen in diese Räume ein und hauchten ihnen neues Leben ein. Verlassene Stallungen, Werkstätten und Lagerhäuser verwandelten sich in Galerien und Kunstorte, in gemütliche Cafés und Restaurants, in Kreativstudios und kleine Läden. Einige Berliner Höfe wurden zu regelrechten touristischen Attraktionen. Besonders die Heckmannhöfe in der Nähe der neuen Synagoge sind heute für ihre malerische Atmosphäre und die vielfältigen Einrichtungen bekannt. Die hackischen Höfe sind der bekannteste Hofkomplex Berlins. Acht miteinander verbundene Höfe. Heute gelten sie als Baudenkmal, in dem sich historische Gebäude, Galerien, Theater, Geschäfte und Restaurants befinden. Von der neuen Synagoge aus sind die Höfe zu Fuß in etwa 10 Minuten erreichbar oder in 3 Minuten mit der Straßenbahn M1 oder M5. Die Fassade des Hauptgebäudes der Hakischen Höf zugleich das Einkaufszentrum öffnet sich zum Hakischen Markt. Der zwischen 1905 und 1907 errichtete Komplex steht heute unter Denkmalschutz. Der erste Hof, entworfen vom Architekten August Ende im Jugendstil besitzt eine besondere Kunst und Architekturhistorische Bedeutung. Während der Hof selbst gut erhalten blieb, wurden endels Innenräume weitgehend zerstört. Zu Zeiten der DDR befanden sich die Gebäude in einem verwahrlosten Zustand, eine aufwendige Renovierung, einschließlich umfangreicher Rekonstruktion und Erweiterung denkmalpflegerischer Maßnahmen sowie einer vollständigen Erneuerung der technischen Infrastruktur wurde zwischen 1994 und 1997 durchgeführt. Ein Spaziergang durch die Acht Höf der Harkeschenhöfe und die angrenzenden Rosenhöfe lohnt sich unbedingt. Man kann in die zahlreichen Geschäfte, Ateliers und Galerien hineinschauen, ins Kino oder Theater gehen oder einfach in einem Caffeée oder Restaurant verweilen. Der Komplex bildet ein wunderbares Ensemble von Jugendstilfassaden, das historische und moderne Elemente miteinander verbindet. Im Herzen Berlins pulsiert in diesen charmanten Innenhöfen das kreative und kulturelle Leben. Bekannte Unternehmer und junge Kunstschaffende gestalten, produzieren und verkaufen hier ihre Werke und Modeartikel. Ob Rotkultür, Gemälde, Fotografien, Schmuck oder originelle Geschenkideen. Diese Höfe sind der ideale Ort für einen Bummel in entspannter und gemütlicher Atmosphäre. Liebe Freunde, heute sind wir gemeinsam einen Weg gegangen vom Glanz der Antike und der strengen Harmonie der Museumsinsel, dem kulturellen Gedächtnis Berlins bis zu den lebendigen pulsierenden hackischen Höfen, wo Vergangenheit und Gegenwart ineinander fließen. Wir haben gesehen, wie die Stadt ihre Gegensätze bewahrt. Monumentale Fassaden und enge Höfe, die Erinnerung an schwere Zeiten und den mutigen Atem der Freiheit. Berlin lehrt uns: “Geschichte ist kein Museum hinter Glas, sondern ein Gewebe, in dem Menschen Ideen und Träume weiterleben. Und vielleicht liegt das größte Geheimnis dieser Stadt darin, dass sie niemals ein fertiges Bild ist. Berlin verändert sich ständig, doch in jedem seiner Winkel bleibt Raum für sie, für ihren Blick, Ihre Geschichte, ihren Schritt auf seinem Pflaster. Vielen Dank, dass Sie diesen Weg mit uns gegangen sind. Möge ein Stück Berlin bei Ihnen bleiben als Inspiration, als Erinnerung, als Einladung zur Rückkehr. [Musik]
Dieses Video mit Karten zeigt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Berlins, die Sie bei einem Spaziergang entlang der Museumsinsel zur Neuen Synagoge und den Hackeschen Höfen sehen können.
Übersichtskarte der Sehenswürdigkeiten auf dieser Route:
https://www.google.com/maps/d/edit?mid=1V2WuYDT7UTsYNeL_QAxvZ6c0qffkW2I&ll=52.52321066096894%2C13.399709964900758&z=16
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Timecodes:
00:00 Einführung, allgemeiner Inhalt
00:59 Mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man zum Museumsinsel
01:20 Schlossbrücke
04:23 Berliner Stadtschloss, heute Humboldt Forum
09:12 Berliner Dom
10:52 Lustgarten
12:32 UNESCO Weltkulturerbe Museumsinsel
14:14 Altes Museum
16:21 Friedrichsbrücke
16:59 Alois Moser Alpenküche
17:37 Drei Mädchen und ein Knabe
18:38 AMPELMANN Shop am Berliner Dom
21:09 Kolonnadenhof
25:44 Neues Museum
27:06 Alte Nationalgalerie
30:59 James Simon Galerie
32:46 Pergamonmuseum
35:38 Pergamonmuseum. Das Panorama
36:10 Bode-Museum
39:46 Skulptur Hektor Köpf
41:19 Monbijoubrücke
42:06 KÖNIG TELEGRAPHENAMT
43:00 Neue Synagoge Berlin
45:49 Historische rote Backsteingebäude in Norddeutschland
47:18 Ehemaliges Kaiserliches Postfuhramt
48:30 Heckmann-Höfe
50:41 Die Hackeschen Höfe
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Timecodes:
00:00 Einführung, allgemeiner Inhalt
00:59 Mit welchen öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man zum Museumsinsel
01:20 Schlossbrücke
04:23 Berliner Stadtschloss, heute Humboldt Forum
09:12 Berliner Dom
10:52 Lustgarten
12:32 UNESCO Weltkulturerbe Museumsinsel
14:14 Altes Museum
16:21 Friedrichsbrücke
16:59 Alois Moser Alpenküche
17:37 Drei Mädchen und ein Knabe
18:38 AMPELMANN Shop am Berliner Dom
21:09 Kolonnadenhof
25:44 Neues Museum
27:06 Alte Nationalgalerie
30:59 James Simon Galerie
32:46 Pergamonmuseum
35:38 Pergamonmuseum. Das Panorama
36:10 Bode-Museum
39:46 Skulptur Hektor Köpf
41:19 Monbijoubrücke
42:06 KÖNIG TELEGRAPHENAMT
43:00 Neue Synagoge Berlin
45:49 Historische rote Backsteingebäude in Norddeutschland
47:18 Ehemaliges Kaiserliches Postfuhramt
48:30 Heckmann-Höfe
50:41 Die Hackeschen Höfe