Der Jandri erfindet sich neu | Die neue 3S zum Gletscher von Les Deux Alpes | 40 Jahre nach dem DMC

    Sanft surren die in zeitlosem schwarz gehaltenen Kabinen der Luftseilbahn Jean durch die Berglandschaft hoch über die Düsalb in den französischen Alpen. In bis zu 3000 m über dem Meer dringen sie vor, um dort ein Gletscherschigebiet zu erschließen. Im Winter wie im Sommer frühen Skifahrer hier ihrer liebsten Beschäftigung. Unten im Tal erscheint das vollkommen surreal. Dort, wo die Kabinen ihren Weg nach oben beginnen, sind sie umgeben von saftig grünen Almwiesen und einem weitaus weniger schroffen Relief. Der 2024 eröffnete Gendre Express verbindet zwei Welten. Die Retortenstadt Ledesalb auf der einen Seite, das unwörtliche Hochgebirge auf der anderen Seite. Dazwischen liegen mehr als 6 km und 1500 m Höhendz. Verbunden in mittlerweile dritter Generation durch eine Seilbahn, die auf weiter Flur ihres gleichen sucht. Vorbei am Sichtbeton und den Glaselementen der modern gestalteten Talstation machen sich die Kabinen auf den Weg über die erste Teilstrecke zur Station Latour. Fast 4 km und über 900 Höhenmeter gilt es bis dort zu überwinden. Allein das ist bereits ein stattliches Unterfangen. Noch beeindruckender ließ sich aber die Tatsache, dass die Salbahn auf dieser Strecke gerade einmal vier Zwischenstützen benötigt. Ein Umstand, der den beiden zusätzlichen Tragseilen zu verdanken ist, die die Anlage von einer gewöhnlichen Einseilumlaufbahn unterscheiden. Angelehnt an die drei Seile pro Fahrspur, zwei tragende und ein umlaufendes Zugseil, wird das Prinzip als 3System bezeichnet. Seit Anfang der 90er Jahre ist diese Bauweise in der Salbahnwelt anzutreffen. Sie vereint die Vorteile einer klassischen Kleinkabinenumlaufbahn mit denen einer großen Pendelbahn. Dank des Umlaufprinzips können in der Theorie beliebig viele Kabinen die Strecke befahren. Dank der großen Stützenabstände ist aber auch das Überwinden von schroffen Terran kein Problem. Erfinder dieses wegweisenden Systems ist der Schweizer Salbahnpionier vonoll, der die erste solche Anlage 1991 in SASF den Betrieb übergeben kann. Eine zweite Sektion folgt dort 3 Jahre später. Eine größere Verbreitung erfährt die 3S aber erst nach der Jahrtausendwende durch die Hersteller Doppelmeier und Leitner. Letzterer zeichnet auch für die Technik der Anlage in Lidsalp verantwortlich, wenngleich der Gendre Express in Frankreich natürlich unter dem Namen Poma entsteht. Nach Valdiser Avoria und einer urbanen Anlage in Tuluse ist die Bahn in Ledesalp die nun mehr vierte solche in Frankreich und davon die dritte aus der Feder von Leitner Poma. Schwenkt man den Blick in der Zwischenstation Latour um 180°, bietet sich ein verblüffend ähnliches Bild im Einstiegsbereich der zweiten Sektion. Diese Feld mit 2,5 km Streckenlänge und 570 Höhenmetern zwar nicht ganz so brachial aus wie die erste Teilstrecke, kann sich mit gerade einmal drei weiteren Stützen und entsprechend langen Spannfeldern dazwischen, aber ebenfalls sehen lassen. Ein Durchfahrbetrieb der beiden Teilstrecken existiert im Normalfall übrigens nicht. Die beiden Sektionen sind zwar über ein Gleis miteinander verbunden und teilen sich auch die Garagierungshalle in der Zwischenstation, die Fahrgäste steigen hier aber um. Speziell im Winter ist das sinnvoll, weil die beiden Sektionen unabhängig voneinander von Wintersportlern auch für Wiederholungsfahrten genutzt werden. Aber auch im Sommer ergibt eine Aufteilung Sinn, denn dann sind es Mountainbiker, die häufig nur eine der beiden Teilstrecken für die Bergfahrt nutzen. Das wird übrigens schon beim Vorgänger so praktiziert, dessen Überreste zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht vollständig zurückgebaut sind. 1985 nimmt mit dem ersten Joy Express eine für die damalige Zeit avantgardistische Salbahn hier den Betrieb auf. Ein sogenanntes DMC, das mit zwei parallel geführten umlaufenden Zugseilen schon damals die gleiche Zielsetzung verfolgt wie die heutige 3S. Größere Kabinen und längere Spannfelder zwischen den Stützen als bei herkömmlichen Einserumlaufbahnen. In Frankreich und Italien findet das Prinzip während eines Jahrzehns weite Verbreitung und schließlich in Form der Weiterentwicklung Funitel später auch weltweit anklang. Heute setzen Hersteller wie Skigebietsbetreiber aufgrund der viel besseren Energieeffizienz und des geringeren Wartungsaufwands, aber nahezu ausschließlich auf das 3System, wenn es um Hochleistung in unzugänglichem Terran geht. Stichwort Hochleistung. Im Endausbau bringen es die beiden Sektionen des Gry Express auf eine Förderleistung von satten 3000 Personen pro Stunde und Richtung. 32 respektive 23 Kabinen des Karosseriebauers Sigma sind dann auf den beiden Sektionen im Einsatz. Auch im Sommer wird diese hohe Förderleistung regelmäßig benötigt, denn wie eingangs erwähnt wird in die Desalb auch in der warmen Jahreszeit Skifahren. Gleich hinter der Bergstation der 3S in 3150 m über dem Meer beginnt das Gletscherskigebiet, das in der ersten Hälfte der 70er Jahre erstmalig mit einer drei Sektionen umfassenden Seilbahnkette direkt von Ledesal aus erschlossen wird. Seiner Zeit kommen auf zwei der drei Sektionen selbstredend die damals überall in Frankreich verbreiteten Eiergundel des nationalen Vorzeigeseilbahnherstellers Poma zum Einsatz. Lediglich auf der mittleren Teilstrecke zur heutigen Station Latura wagt man aufgrund eines tief eingeschnittenen Tals ein Experiment. So entsteht auf diesem Abschnitt eine selbstfahrende Seilbahn, deren Kabinen mit Eigenantrieb auf einem Tragseil entlang fahren. Ein tödlicher Unfall mit Kabinenabsturz kurz nach der Eröffnung beendet den Versuch aber je und sorgt für einen Umbau in eine konventionelle Pendelbahn. Erst 1985 verschafft der erste Gendri Express dann Abhilfe an diesem Kapazitätsengpass. So revolutionär die Anlage aber auch ist, nach knapp vier Betriebsjahrzehnten ist sie nicht mehr auf der Höhe der Zeit. In Sachen Komfort, Förderleistung und Effizienz hat sich der Gendri Express mit der 3S neu erfunden. Auch weiterhin wird die Anlage eine überlebenswichtige Achse für das Skigebiet von Ledusalp sein. Im Winter als Beschäftigungsanlage mit zahlreichen, langen und landschaftlich abwechslungsreichen Pisten im Sommer als Zubringer in eines der letzten französischen Sommerschiegebiete. Ob der Gre Express den Gletscher überleben wird oder umgekehrt wird sich zeigen. Eines ist aber gewiss. In Ledösalp hat im Jahr 2024 die beeindruckendste Dreies der französischen Alpen den Betrieb aufgenommen und sie wird in den kommenden Jahren ganzjährig die Fahrgäste begeistern, genau wie es ihre Vorgänger seit einem halben Jahrhundert getan haben. M. [Musik]

    Sanft surren die in zeitlosem Schwarz gehaltenen Kabinen der Luftseilbahn Jandri durch die Berglandschaft hoch über Les Deux Alpes in den französischen Alpen. In bis über 3000 Meter über dem Meer dringen sie vor, um dort ein Gletscherskigebiet zu erschliessen. Im Winter wie im Sommer frönen Skifahrer hier ihrer liebsten Beschäftigung. Unten im Tal erscheint das vollkommen surreal. Dort, wo die Kabinen ihren Weg nach oben beginnen, sind sie umgeben von saftig grünen Almwiesen und einem weitaus weniger schroffen Relief. Der 2024 eröffnete Jandri Express verbindet zwei Welten. Die Retortenstadt Les Deux Alpes auf der einen Seite, das unwirtliche Hochgebirge auf der anderen Seite. Dazwischen liegen mehr als sechs Kilometer und 1500 Meter Höhendifferenz. Verbunden in mittlerweile dritter Generation durch eine Seilbahn, die auf weiter Flur ihresgleichen sucht.

    Produktion: Felix Gross
    Aufnahme: 20. Juni 2025
    Musik: “Inner Light” Kevin MacLeod (incompetech.com)
    Licensed under Creative Commons: By Attribution 3.0 License
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    7 Comments

    1. Nicht dass es in Les 2 Alpes noch viel ausmachen würde, aber der “impact“ der Riesenstützen von 3S-Installationen auf die Landschaft ist schon merklich…

      Apropos französische Sommerskigebiete: Es sind meines Wissens noch genau 2: L2A und Tignes (Grande Motte). Aber beide dürften IMHO relativ schnell auf der Kippe stehen…

    2. @Seilbahn TV – Lãsst sich der Umstieg von DMC/Funitel auf 3S nur durch die geringeren Betriebskosten letzterer erklären? Oder sind auch die Erstellungskosten vorteilhafter (was nicht intuitiv erscheint, da z.B. der ehemalige DMC in Saint Gervais sogar Jahrzehnte-alte Uraltstützen weiterverwenden konnte)?

    3. Ich bin durchaus verwundert, weil man die Stützen der alten Anlage nicht abbaut. Hier ist Deutschland sehr viel strenger. Die Baubewilligung für die Seilbahn Zugspitze beinhaltete ausdrücklich die Verpflichtung sämtliche Anlagen der alten Anlage (Eibseeseilbahn) alle komplett rückzubauen.

    4. Weisst du zufällig warum hier mehrfach Seilreiter direkt vor die Stützen montiert werden? Wird das Tragseil dann mit der Zeit von den Stützen weg verschoben?

      Danke fürs Video – inzwischen sehen sogar die Leitner-Bahnen ganz schick aus 🙂

    5. Sowohl der alte als auch jetzt der neue Jandri Express sind auf jeden Fall wirklich beeindruckende Seilbahnen. Die neuen Stützen haben zwar im Vergleich zu den alten eher eine Standardform, fallen in der Landschaft aber mMn noch mehr auf.

    6. Hä, aber 3S-Pendelbahnen gab es doch schon schon vor den 90er Jahren? Oder verstehe ich etwas nicht an der Aussage? Gibts 3S-Umlaufbahnen erst seit Anfang der 90er?

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